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  • AutorenbildKourosh Roushan

KI in der Medizin

Ich arbeite seit über einem Jahr sehr intensiv an einem KI-Projekt in der Medizin und habe meine aktuellen Gedanken niedergeschrieben zur „KI in der Medizin“.

Es ist nicht vollständig oder perfekt, aber ich hoffe, es hilft dem ein oder anderen für die eigenen Überlegungen:


Aktuell laufen mehrere Großprojekte in der Modernisierung der Medizin: Digitalisierung, Automatisierung (bzw. Prozessoptimierung) und Künstliche Intelligenz. 

Diese Projekte gehören koordiniert. Es macht also keinen Sinn „KI“ als Allheilsmittel zu sehen oder als Ersatz für den Arzt. Beim sehr hohen Entwicklungstempo, der gefühlt exponentionell zu sein scheint, ist ein Ansprechpartner mit immer aktuellem Expertenwissen zur KI extrem wichtig. Wir müssen und können nicht alle KI-Experten werden, aber wir müssen uns zeigen lassen, wie man das Werzeug KI am besten nutzen kann und wo die Fallstricke liegen. Das erhöht enorm die Erfolgschancen der Modernisierung der Medizin, die dringend benötigt wird.


Aktuell kann man zwei Hauptfelder für relevante KI in der Medizin ausmachen: 

  1. visuell-diagnostische KI („Vision“)

  2. textbasierte KI („large language models bzw. LLM“)

Die nächste Evolutionsstufe sind multimodale Modelle, die mit unterschiedlichen Daten (Bild, Text, Audio, Video etc.) zurechtkommen.


Vereinfacht dargestellt, ist Vision älter, fortgeschrittener und verlässlicher.

Und Text ist neu, hat noch grosse Probleme mit Halluzinationen und dadurch noch nicht etabliert.

Meine Expertise betrifft mehrheitlich die textbasierten KI-Systeme (LLMs).


Was gibt es für uns Ärzte in puncto KI zu bedenken?

Beim aktuellen Wettrennen in der KI, ist ein Minimum an politischen Überlegung leider wichtig, um nicht diktiert zu bekommen, wie unser Beruf als Arzt in Zukunft auszusehen hat. Es herrscht aktuell eine Oligopoly in der KI. (OpenAI/Microsoft, Google, Facebook, Anthropic/Amazon, Mistral). Um eine quasi Monopoly zu verhindern, ist das Thema Open-Source enorm wichtig. Es würde helfen, wenn die Ärzteschaft sich das Thema Open-source und auch fast noch wichtiger Open-data zu Herzen nehmen. Dahingehend sind Meinungsführer aus den Reihen der Ärzte wie zum Beispiel Dr. Bart De Witte sehr hilfreich aus meiner Sicht.


Wichtig zu verstehen ist, dass es eine sehr große finanzielle Hürde gibt, konkurrenzfähige KI zu entwickeln und zu betreiben. Das Erfolgskonzept für eine erfolgreiche KI kann unterteilt werden in drei Bereiche: 

  • 1. KI-Technologie bestehend aus a) Algorithmus & b) Rechenpower

  • 2. Wissen bzw. Daten

  • 3. Kommunikationsstrategien zwischen KI und Endkunde


Bei den vielen Fachbegriffen und technischen Details ist im Endeffekt das Ziel, dass die KI dem Arzt bzw. Gesundheitsdienstleister gehören sollte (und nicht einer Techfirma) und die Daten dem Patienten bzw. im Interesse des Patienten verwendet werden sollten.

Datensicherheit und Hoheit über die Daten sind extrem wichtig.

Man sollte prüfen, wie man das gewährleisten kann. Aus der heutigen Sicht wären Open-Source KI und Open-Data in der Medizin wahrscheinlich wesentliche Bausteine, um diesem Ziel gerecht zu werden.


Als letzten aktuellen Punkt, möchte ich noch die bisher wesentlichste Limitation der LLMs erklären. Das beinhaltet das Thema der „Halluzinationen“.

Erst wenn die KI in der Suche und Wiedergabe von Informationen eine nahezu perfekte Wiedergabe hat ohne Halluzination, ist sie ein Mehrwert für den Arzt, weil sonst beim Übernehmen der Daten zu viele kritische Fehler passieren können. Der Arzt hat letztlich die Verantwortung.

Diesen Test nennt man „Nadel im Heuhaufen suchen“.

Laut aktuellem Stand in der Öffentlichkeit haben erst zwei KI-Modelle (Gemini Pro 1.5 von Google und Claude 3 von Anthropic) das Problem der Halluzination quasi gelöst, indem Aufgaben, die als „Nadel im Heuhaufensuche“ genannt werden mit Trefferquoten von 99.9% erreicht werden.

Selbst GPT-4 (turbo), welches auch nach einem Jahr noch als Goldstandard gesehen wird, kann das nicht bieten.


Ein Blick noch in die Zukunft:

Ich sehe die KI als ein Werkzeug und nicht als Konkurrenz. Aber falls wir die KI als Konkurrenz sehen sollten, wäre kurz- bis mittelfristig unser Expertenwissen und unsere Fähigkeit Sinn von Unsinn zu trennen unser Vorteil gegenüber der KI.

Aber bald wird die KI auch das besser können als wir Ärzte und letztlich bleiben

Empathie, Kommunikation und Menschlichkeit vermutlich die wesentlichsten Merkmale, die unseren Beruf als Arzt in Zukunft ausmachen und unseren Stellenwert in der Gesellschaft sichern werden. Wir können nicht früh genug anfangen, endlich diese Skills professionell in unseren Alltag zu integrieren (standardisiert, perfektioniert und implementiert in Aus-, Weiter- und Fortbildung) und nicht nur als (manchmal belächeltes) Nebenprodukt unseres sozialen Berufs zu sehen.

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